Das Ritual des Weisswurst-Essens

"Eine Weisswurst darf das 12 Uhr Läuten nicht hören"
- so hiess es früher. Sie sollte also auf jeden Fall vormittags
gegessen werden. Das kam daher, dass die Würste immer frisch
hergestellt und nicht mit Zusatzstoffen haltbar gemacht werden.
Die frischen Kräuter in der Wurst wurden aber leicht schlecht
und die Haut gelblich und hart.
Durch die verbesserten Kühlmethoden kann man heutzutage aber
zu jeder Tageszeit frische Weisswürste geniessen.
Zur Weisswurst gehört ein gutes Bier (Weissbier oder eine frische
Mass vom Oktoberfest) und eine (Wiesn)Brezn.
Der Senf dazu darf auf keinen Fall irgend so ein Mittel- oder superscharfes
Zeug sein. Zu einer bayerischen Brotzeit gehört unbedingt ein
süsser (Hausmacher)Senf.
Wir schwören dabei auf den vom "Händlmaier"...
Wer eine Weisswurst (in der Öffentlichkeit) auszuzzelt ist
übrigens "out". Warum das so ist, weiss scheinbar
niemand so recht. Aber es ist halt nicht mehr "en vogue".
Auf alle Fälle schmeckt die Wurst gezuzzelt anders als gepellt.
Zum Pellen schneidet man die Weisswurst der Länge nach mit
dem Messer ein, hält das Fleisch mit der Gabel fest und zieht
mit dem Messer die Haut ab. Wie auch immer - gezuzzelt oder gepellt,
eine Weisswurst sollte niemals in Scheiben geschnitten werden. Das
hat sie nicht verdient!
Die derzeit gültige Rezeptur für "Echte Münchener
Weisswürste" wurde am 15. März 1972 im Amtsblatt
der Landeshauptstadt München festgehalten. Dort sind dann solche
Dinge geregelt, wie zum Beispiel dass fertige Weisswürste nicht
mehr als 25 % Fremdwasser und 30 % Fett enthalten dürfen.
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